Montag, 18. Februar 2013

新年快樂 - Chinesisches Neujahr

Vor gut einer Woche durfte ich das wichtigste Fest der asiatischen Kultur hier in Taiwan erleben - das chinesische Neujahr! 新年快樂! (Xin nian kuaile - Frohes neues Jahr) 
Altar in unserem Wohnzimmer 
Am 09. Februar hat das alte Jahr, Jahr 101, geendet und das neue Jahr, 102, das Jahr der Schlange, begonnen. Darauf hatte ich mich schon gefreut, denn das chinesische Neujahr ist vergleichbar mit dem europäischen Weihnachten, wird also sehr sehr groß gefeiert. Das konnte man auch deutlich merken, schon lange vor dem eigentlichen Jahreswechsel. In der Stadt, auf den Straßen und Läden ist alles geschmückt. Es werden Laternen auf gehangen und Schleifen und Wimpel und "Poster", die mit chinesischen Wünschen beschrieben sind. Alles ist hauptsächlich in Rot und Gold gehalten, denn Rot gilt hier als Farbe des Reichtums und Glücks. Es sieht dann also wirklich ein bisschen aus wie an Weihnachten. Alle Geschäfte haben geschmückt, es gibt Sonderaktionen und Rabatte und alles wird im Sinne des chinesischen Neujahrs verkauft! Man hat also schon gemerkt, dass ein großes Fest vor der Tür steht. Außerdem bereiten sich alle in der Familie auf das Fest vor: Es wird das ganze Haus (wirklich das ganze Haus!!!) geputzt und sauber gemacht! Meine Gasteltern haben sich extra ein paar Tage frei genommen, um zu putzen. Ich musste mein Zimmer auch aufräumen und sauber machen.
Laternen in der Stadt 
mein Gastbruder und ich mit unseren Hongbaos
Neben dem Putzen wird hauptsächlich eingekauft, denn über die Festtage haben die meisten Geschäfte und Märkte geschlossen. Es waren direkt vor dem Neujahr also ziemlich viele Menschen auf den Straßen, um alles nötige einzukaufen.
Wie Weihnachten bei uns, gilt das chinesische Neujahr als Familienfest. Deswegen kam meine Gasttante zusammen mit meinem Gastopa aus Japan zurück. Sie lebt dort und mein Opa hat für die letzten drei Monate auch dort gewohnt. Zum Neujahr sind sie beide "nach Hause" gekommen!
Am eigentlichen Neujahrstag, am 09. Februar, wurden noch einmal alle Fußböden im Haus gewischt und dann wurde alles vorbereitet, um zu beten. Unser Hausaltar wurde geschmückt und ein zweiter kleinerer Altar wurde im Wohnzimmer aufgestellt und geschmückt und mit Essen gedeckt. Meine Gastmama und -tante haben den ganzen Vormittag gekocht und am Nachmittag war das Essen fertig und wurde zum Beten auf den Altar gebracht, sozusagen als "Opfergabe". Jeder ist dann nach und nach vor den Altar gegangen und hat gebetet.
Am späten Nachmittag sind wir alle Lotto spielen gegangen. Meine Gastfamilie macht das nur am Neujahr, weil man dort am meisten Glück erwartet. Sie hat sogar mit dem Lottoschein vor dem Altar gebetet (hat leider nichts gebracht, wir haben alle nichts gewonnen). Außerdem haben wir vor unserem Haus "Geld" verbrannt. Das ist natürlich kein echtes Geld, sondern nur Papier mit ein bisschen Gold und chinesischen Schriftzeichen, wird aber in Tempelshops für echtes Geld gekauft! Das wird also vor dem Haus verbrannt und soll durch den Rauch zu Gott gelangen und einem Reichtum verschaffen.
Der Höhepunkt des Neujahres ist das Abendessen. Meine Gastmama und -tante hatten so viel Essen gemacht und es wurde sehr sehr lange und viel gegessen und es war total lecker! Während oder nach des Essens bekommen die Kinder rote Umschläge, sogenannte "Hongbaos", mit Geld. Das ist das Geschenk für das Neujahr und traditionell werden die Kinder beschenkt. Darauf freuen sich alle am meisten, obwohl die taiwanesischen Kinder oft sehr unglücklich sind, denn meistens haben sie nichts von dem Geld, denn üblicherweise sparen die Eltern es für sie.
unser Abendbrot 
Als wir dann schließlich fertig waren mit dem Essen, haben wir ein traditionelles taiwanesisches Spiel gespielt, Mahjong. Das wird hier gerne und oft und lange gespielt und so haben wir den Abend verbracht. Um Mitternacht oder auch schon eher, wird auch ganz viel Feuerwerk gezündet. Der Krach soll die bösen Geister fern halten, je lauter desto besser also.
So habe ich den eigentlichen Neujahrswechsel verbracht. Die ersten Tage im neuen Jahr werden aber auch noch gefeiert. Das heißt es wird weiter gegessen und ich bin mit meiner Familie in mehrere Tempel gegangen, um zu beten. Die Tempel sind an Neujahr total überfüllt und es ist ein großes Gedränge! Genau wie auf den Autobahnen! Traditionell fahren nämlich alle Frauen am zweiten Tag des Jahres zurück nach Hause zu ihren Müttern. Das heißt so ziemlich Jeder in Taiwan ist auf der Reise. Auch ich bin mit meiner Familie in den Süden gefahren. Für die rund 200 km haben wir 4 1/2 Stunden gebraucht!  Die Straßen sind so überfüllt, dass nur Autos mit mindestens 4 Personen auf die Autobahn gelassen werden. Diese Verkehrslage hält bis ungefähr eine Woche nach dem Neujahr an.
Währen der ersten Tage des neuen Jahres kommt also die ganze Familie zusammen und die Hauptbeschäftigung ist essen!
traditionelles Grillen
Gestern haben dann auch meine einmonatigen Neujahrsferien geendet und heute musste ich wieder in die Schule gehen.
Dekoration in unserer Wohnung 
meine Familie am Neujahrsabend

Dienstag, 25. Dezember 2012

Weihnachten in Taipeh

Weihnachten mal anders 


Fröhliche Weihnachten! 
Weihnachten war dieses Jahr sehr anders für mich. Eine Weihnachtszeit, wie ich sie aus Deutschland gewohnt bin, gab es dieses Jahr für mich nicht und auch das eigentliche Weihnachtsfest viel mehr oder weniger aus. Weihnachten ist hier, sicherlich aus religiösen Gründen, nichts weiter als ein schöner Tag an dem man ein bisschen Süßes verschenkt. Weihnachten ist hier mehr oder weniger nur eine wichtige Sache für Geschäfte und Läden. Die sind alle geschmückt, es gibt Weihnachtslieder in den Geschäften und zahlreiche Aktionen, eben ähnlich wie man es aus Deutschland kennt. Aber das war's dann schon. Die Stadt ist nicht geschmückt und die Häuser auch nicht. Es sind um die 20 Grad und die Sonne scheint. Das ist sehr merkwürdig. Es gibt auch keine Ferien, also ich habe Weihnachten in der Schule verbracht. Man wünscht sich frohe Weihnachten, aber eigentlich kümmert sich niemand darum. 
Für uns Austauschschüler allerdings wurde ein Weihnachtswochenende von Rotary organisiert. Wir sind in die Berge gefahren und haben in einer Jugendherberge übernachtet. Da gab es dann eine Party und in der Nacht haben wir große Windlichter/Laternen fliegen lassen. Jeder hat seine Wünsche darauf geschrieben und dann haben wir sie steigen gelassen. Am nächsten Tag haben wir dann gewichtelt und unsere Geschenke verschenkt. Es war schön, Weihnachten mit der "Austauschschülerfamilie" verbringen zu können! 
Den 24. Dezember habe ich also in der Schule verbracht. Am Abend bin ich aber in ein Restaurant mit meinen Gasteltern gegangen. Das war sehr schön. Ich konnte ihnen erzählen, wie in Deutschland Weihnachten gefeiert wird und sie haben erklärt, dass das eigentlich keine große Sache in Taiwan ist. 
Am 25. Dezember, der eigentliche Weihnachtstag, musste ich auch in die Schule, allerdings in die Universität zum Chinesischunterricht. Da wir da nur Austauschschüler in der Klasse sind, haben wir kaum Unterricht gemacht, sondern nur Süßes gegessen und Fotos geschossen. Später haben wir noch gewichtelt und jeder hat ein kleines Geschenk bekommen und wir haben ein paar Spiele gespielt. 
Aber das war es dann dieses Jahr für Weihnachten!
Chinesischunterricht

Maggie aus den USA und ich

Schulorchester spielt Weihnachtslieder 

Beschreiben des Windlichts
Ich und Charlie (USA) 

Windlicht

Windlicht

Coming of age ceremony

Traditionelle Zeremonie in einem Tempel 



Taiwanische Kinder führen einen Tanz au
Am 09. Dezember hatten alle Austauschschüler aus meinem Distrikt in Taipeh die traditionelle "Coming of age ceremony". Das ist eine traditionelle Zeremonie bei der Jugendliche "offiziell" erwachsen werden. Das kann in etwa mit der Konfirmation oder Jugendweihe in Deutschland verglichen werden. 
Einen Monat vor der Zeremonie hatten wir begonnen Tänze und Gesänge einzustudieren, die wir dann dort aufgeführt haben. Es gab drei verschieden Gruppen, mit drei verschiedenen Tänzen. Die erste Gruppe hat einen Drachentanz einstudiert, die zweite Gruppe (in der war ich) hat einen Tanz mit "Waffen" einstudiert und die dritte Gruppe hat einen normalen Tanz einstudiert, mit traditionellen Figuren/Masken. Das Einstudieren war ziemlich chaotisch, weil unsere Lehrer kaum Englisch gesprochen haben und es gab immer wieder Missverständnisse aber am Ende hat es gut geklappt.
Am Tag der Zeremonie haben wir uns alle im Konfuziustempel in Taipeh getroffen. Das ist einer der größten Tempel zur Verehrung Konfuzius' in Taiwan. Er besteht aus 6 verschiedenen Gebäuden und war Ort unserer Coming of age ceremony. Am Vormittag haben wir eine Führung durch den Tempel bekommen. Das war ziemlich interessant und beeindruckend. Beim Bau des kompletten Tempels, zum Beispiel, wurden keine Nägel oder Schrauben benutzt. Alles ist nur ineinander gesteckt und hält trotzdem sogar den Erdbeben stand. 

Mir wurde das Stäbchen ins Haar gesteckt


Nach dem Mittagessen gab es eine Generalprobe und wir sind alles noch einmal durchgegangen. Da haben wir dann auch unsere traditionelle Kleidung für die Zeremonie bekommen. Später kamen dann unsere Gasteltern und ziemlich viele andere Leute um uns zuzugucken. Das Fernsehen war da und ganz viele Zeitungen. Am Nachmittag startete dann die eigentliche Zeremonie.Vor Beginn unserer Zeremonie mussten wir uns alle die Hände in einem kleinen Brunnen waschen. Dann haben die ersten zwei Gruppen ihre Tänze aufgeführt. Dann folgten ziemlich viele Reden und Ansprachen von verschiedenen Leuten und dann hat die dritte Gruppe ihren Tanz aufgeführt. Schließlich folgte dann der eigentliche Akt des Erwachsenwerdens. Wir hatten alle eine Urkunde bekommen und mussten symbolisch unter einem kleinen Altar oder Tisch durchlaufen. Danach wurden wir von unseren Gasteltern zu Erwachsenen erklärt, in dem sie den Mädchen ein Stäbchen ins Haar gesteckt und den Jungen eine Kappe auf den Kopf gesetzt haben. Meine Gasteltern waren leider nicht da an diesem Tag, aber die Mama eines Freundes hat das für mich gemacht.
Da waren wir offiziell taiwanische Erwachsene! 
Durchlaufen des Altars

Drachentanz während des Einstudierens 
Ida, Lauren (Australien), Maggie (USA)

Traditioneller Tanz von Kindern

Freitag, 19. Oktober 2012

Das Leben in Taipeh


Taipei 101 am Wochenende des "Moonfestivals"

Taipeh ist die Hauptstadt von Taiwan und liegt im Norden der Insel.
2,7 Millionen Einwohner leben hier auf engstem Raum, die Bevölkerungsdichte liegt bei ca. 9.500 Einwohnern pro Quadratkilometer (zum Vergleich: Berlin 3.900 Einwohner pro Quadratkilometer).
Das macht sich überall und zu jeder Zeit bemerkbar und ist erst einmal sehr ungewohnt.
Das fängt bei den Gebäuden an: hohe Häuser mit möglichst vielen Wohnungen. Wohnhäuser gibt es hier genau so wenig wie Gärten. Die Stadt hat etliche Parks und Grünflächen aber private Gärten oder  Höfe, wie ich es aus Deutschland kenne, gibt es hier nicht.
Die Straßen sind enger und verwinkelter und man nutzt jeden Platz, den man finden kann. Das ist wahrscheinlich auch der Grund weshalb hier viel Leben auf der Straße stattfindet. Überall gibt es Stände, wo man Essen kaufen kann. Märkte zum Einkaufen befinden sich zum größten Teil am Straßenrand. Das ist überhaupt nicht mit einer deutschen Großstadt zu vergleichen.
Taipei 101 
Trotzdem ist Taipeh eine sehr saubere Stadt denke ich. Das habe ich anders erwartet aber es wird stark darauf geachtet die öffentlichen Plätze und Straßen sauber zu halten. Besonders das Stadtzentrum ist sehr sauber. 
(Das Müllauto kommt hier jeden Tag und spielt immer Musik, damit jeder erinnert wird und seinen Müll rausbringt (Mülltonnen gibt es keine.). Die Müllautos für verschiedenen Müll spielen sogar unterschiedliche Lieder!!!)

Wegen der vielen Menschen ist der Verkehr auch dementsprechend chaotisch. Wie man es aus Filmen oder von Fotos kennt gibt es hier unzählige Roller. Sie sind definitiv das beliebteste Fortbewegungsmittel und es ist erstaunlich, was alles mit einem Roller transportiert werden kann. Jeden morgen sehe ich einen Vater wie er seine beiden Töchter mit einem Roller zur Schule bringt. Drei Personen auf einem Roller sind hier keine Seltenheit und oft ist auch noch Platz für Einkäufe oder andere Dinge. Statt Radwegen gibt es hier auf großen, stark befahrenen Straßen einen "Rollerhighway", wo nur Roller fahren dürfen. Fahrradfahrer sieht man nur sehr selten in Taipeh, dafür ist es einfach zu gefährlich denke ich. Der Verkehr ist hier sehr chaotisch, rote Ampeln werden gern ignoriert und selbst wenn die eigene Ampel grün zeigt, heißt das nicht, dass man ununterbrochen und sicher über die Straße gehen kann.





Der öffentliche Nahverkehr in Taipeh ist sehr gut. Es gibt viel Busse und die U-Bahn. Die Taipei metro (MRT) ist auf Grund des chaotischen Straßenverkehrs auf jeden Fall das zweitbeliebteste Fortbewegungsmittel. Die Taiwanesen sind glaube ich  sehr stolz auf ihre MRT und das können sie auch: es ist ein kleines U-Bahnnetz, bestehend aus 6 Linien, dass dich jederzeit problemlos an alle möglichen Orte in Taipei bringt. Zugausfälle oder Verspätungen gibt es 
Extra Sicherheitstür vor den Gleisen
hier nie, was den wesentlichen Unterschied zum deutschen U- und S-Bahnverkehr ausmacht. Außerdem sind die Züge schneller als die deutschen U- und S-Bahnen. Die ganze MRT ist sehr sehr modern und freundlich und nicht so gruselig wie manchmal in Deutschland. Bezahlt wird mit der "EasyCard". Das ist einfach eine Karte, die man aufladen kann und beim Betreten und Verlassen der MRT muss man durch eine "pieppiep" Schranke und dann wird der jeweilige Betrag abgezogen! Das ist ein cleveres System, das Schwarzfahren verhindert!!!
MRT Station
In jeder MRT Station gibt es Toiletten und sehr viel Personal, was dir hilft und Auskunft geben kann! Außerdem appelliert das Metro System immer wieder an freundliches miteinander Fahren, mit Hilfe von tausenden Plakaten und Werbungen 
Einreihen und auf die U-Bahn warten
("Sprich leise, wenn du telefonierst! Halte deine Telefongespräche kurz! Sende stattdessen eine SMS!"; "Hüte dich vor sexueller Belästigung in der MRT!"; "Achte beim Zeitunglesen darauf, dass du  deinen Sitznachbarn nicht behinderst!" - um nur einige Beispiele zu nennen.). In diesem Sinne ist auch Essen und Trinken, sowie Kaugummi kauen IN der MRT aber auch in den Stationen verboten (es gibt genug Personal zur Kontrolle!). 
MRT Station
Die MRT ist auch ein Ort, an dem sich die "asiatische Höflichkeit" bemerkbar macht: Es wird sich eingereiht vor der Türen des Zuges (ohne Vordrängeln) und man gibt ohne Zögern seinen Sitzplatz an ältere Menschen oder Kinder ab. Es gibt auch immer "priority seats" in der MRT, die nur für ältere Menschen, Schwangere oder Kinder bestimmt sind. Diese Plätze bleiben sogar leer wenn niemand in der MRT ist, der sie beanspruchen könnte. Sich auf einen "priority seat" zu setzen, ist einfach unhöflich. 

Das Großstadtleben in Taipei ist sehr praktisch. Es gibt an jeder Ecke (und damit meine ich an jeder Ecke!) einen 7/11 oder Family Mart. Kleine Supermärkte, in denen man eigentlich alles kaufen kann. Es gibt unzählige Malls und Departement Stores und hinzu kommen die Stände auf den Straßen. Die Geschäfte öffnen hier ein bisschen später. Morgens wenn ich zur Schule gehe, sind die meisten Läden noch geschlossen. Aber dafür sind sie am Abend länger geöffnet (und auch am Sonntag!!!). Es ist kein Problem um 22:00 Uhr noch mal in die Drogerie zu gehen oder in den Buchladen oder wohin auch immer.  
Taipei
Das ist wirklich praktisch! Einkaufen geht man aber hier eher auf traditionellen Märkten anstatt in Supermärkten. 
Früchte auf einem traditionellen Markt

                                           
                                                 Obst
Das Essen und die Lebensmittel sind billig und gut! 

Donnerstag, 6. September 2012

Meine Schule - KaiNan High School Taipei

Meine Schuluniform 
Seit dem 30. August muss auch ich wieder in die Schule gehen und das war auch noch mal eine Sache, auf die ich ziemlich gespannt war. 
Ich gehe an die KaiNan High School in Taipei. Die Schule hat 3000 Schüler, was aber hier in Taipei normal ist.  
Schule ist hier ganz anders als in Deutschland aber wiederum anders als ich es erwartet hätte.
Vielleicht erstmal ein paar einfache Dinge, in denen sich die Schule hier von Deutschland unterscheidet:
In meiner Klasse sind ungefähr 40 Schüler, normalerweise aber sind es 50 Schüler in einer Klasse. Das ist schon etwas ungewohnt. Anstatt auf 18 Schüler (wie es in Deutschland war), unterrichtet ein Lehrer hier 50! Glücklicherweise geht eine französische Austauschschülerin mit mir in eine Klasse, dann bin ich nicht allein.
Jeder Schüler muss Schuluniform tragen, wenn nicht bekommt man einen "Strafpunkt" (Wenn man 10 Strafpunkte hat, wird man von der Schule geschmissen.). Es gibt eine normale Uniform und eine extra Uniform für den Sportunterricht. Schmuck und Schminke sind an meiner Schule erlaubt, an anderen Schulen allerdings nicht.
Meine Schule beginnt um 8 Uhr und geht bis 15:50 Uhr.
Wenn man die Schule betritt, muss man sich mit seinem Schülerausweis elektronisch "einchecken". An einigen Schulen ist es sogar so, dass die Eltern eine SMS bekommen, wenn ihr Kind die Schule betritt oder verlässt. Das ist einfach ein Kontrollsystem.
Jetzt etwas zum Tagesablauf:
Ein Stück von meiner Schule 
Schon der Tagesbeginn ist anders als in Deutschland. Um 8 Uhr treten alle Schüler raus auf den Flur und reihen sich auf, nach Klassen und Jungen & Mädchen geordnet und dann kommt eine Ansprache vom Schulleiter (ich hab keine Ahnung worum es in dieser Ansage geht). Das dauert ungefähr 15 Minuten und danach beginnt der Unterricht. Jeden Donnerstag Morgen (oder an speziellen Tagen oder Festen)  versammeln sich alle Schüler jedoch auf dem Sportplatz, in der Mitte der Schule, und dann gibt es mehrere Ansprachen vom Schulleiter oder anderen Lehrern und die "Marching Band" spielt Musik. Das dauert schon mal eine Stunde und es ist richtig warm, weil es auf dem Platz kein Schatten gibt und alle wollen eigentlich nur zurück in den Klassenraum. Danach beginnt dann der Unterricht.
Das habe ich mir auch ganz anders vorgestellt! Der Unterricht ist sehr locker hier, es ist laut, viele Schüler unterhalten sich oder laufen einfach durch den Raum. Die Französin und ich können sogar Musik hören aber ich glaube das ist der Austauschschülerbonus. Die Lehrer sind alle recht jung und auch ziemlich entspannt drauf. In jedem Unterricht schlafen mindestens 5 Leute. Der Lehrer sagt eigentlich fast nie etwas dazu, sondern lässt sie einfach schlafen. Ich weiß nicht, ob das nur an meiner Schule so ist, aber  strengen, "asiatischen" Unterricht hätte ich mir anders vorgestellt.
Englischunterricht
Die Unterricht besteht größtenteils nur aus Frontalunterricht. Das heißt der Lehrer spricht und die Schüler hören zu und lösen zwischendurch ein paar Aufgaben. Gruppen- oder Partnerarbeit hab ich hier noch nicht erlebt. Eine Schulstunde dauert 50 Minuten und nach jeder Stunde gibt es 10 Minuten Pause. Um 12:00 startet dann die Mittagspause. Mittagessen kann man in der Schule bestellen (jedoch gibt es hier keine Mensa, man isst das einfach im Klassenraum) oder man kann sein eigenes Mittagessen mitbringen (und sogar aufwärmen!). Die erste halbe Stunde der Mittagspause ist zum Essen gedacht und man kann sich mit anderen Schülern unterhalten oder Basketball spielen. Die zweite halbe Stunde allerdings ist Schlafenszeit! Alle Schüler legen sich auf ihre Bänke und schlafen bzw. müssen wenigstens ruhen. Schüler, die nicht schlafen wollen, müssen den Klassenraum für diese Zeit verlassen. Dieser Mittagsschlaf wird allerdings von fast allen Schülern genutzt und es kehrt tatsächliche totale Stille ein.
Nach dem Mittagsschlaf gibt es dann noch mal drei Stunden Unterricht, bis 15:50 Uhr.
Kalligraphieunterricht
Jeden Dienstag und jeden Donnerstag geht die Schule allerdings bis 20:30 Uhr (zum Glück nicht für Austauschschüler!). Dann haben die Schüler bis um 18:00 Uhr Unterricht, dann essen sie Abendbrot in der Schule, dann bekommen sie noch mal 30 Minuten Schlafenszeit und danach machen sie Hausaufgaben oder lesen Bücher. Als ich meinen Klassenkameraden erzählt hab, dass ich in Deutschland donnerstags und freitags um 14:15 Uhr nach Hause gehe, haben sie mich ganz ungläubig angeschaut!
Mittagsschlaf
Um den Lehrern ein wenig unter die Arme zu greifen, gibt es an taiwanesischen Schulen immer einige Männer und Frauen vom Militär. Die gehen dann während des Unterrichts an den Klassenräumen vorbei und gucken, dass niemand schläft. Ist das der Fall, gehen sie in den Klassenraum und wecken den Schüler auf. Sie passen auch während der Pausen auf und kontrollieren die Eingänge und Ausgänge. Aber sie geben auch Unterricht. Es gibt verschiedene "military classes", da lernt man zum Beispiel, wie man eine Waffe hält aber sie geben auch Unterricht zu Themen wie Drogenkonsum oder wie man sich in Notsituationen (zum Beispiel Erdbeben oder Taifun) verhalten soll. 
Jeden Schüler muss eine AG belegen und die findet dann immer Freitagnachittags statt. Das ist eigentlich an jeder Schule so. Da gibt es verschiedene Sachen, wie zum Beispiel Drachentanz, Cheerleading, "Marching Band", Gitarre, Theater und noch ganz viele andere. Für mich ist der Unterricht hier (noch) sehr langweilig, weil ich nichts verstehe aber ich finde immer etwas, was ich machen kann. 
Unterricht
Mein Lieblingssoldat und ich 

Zeremonie am Morgen

Alle  Austauschschüler und der Schulleiter 


Dienstag, 21. August 2012

Mein erster Nachtmarkt

Eingang zum Nachtmarkt vom Yonghe District
Gestern Abend war ich mit Daniel, meinem Gastvater und meiner Gastmutter das erste mal auf einem Nachtmarkt. Die sind sehr beliebt hier in Taiwan und in Taipeh gibt es ungefähr 15 Stück - jeden Abend! Man kann dort unter der Woche genau so gut hingehen, wie am Wochenende. Da es hier um 19 Uhr schon stockduster ist, beginnt da schon der "Nacht"markt. An Wochenenden geht es dann bis 3 oder 4 Uhr morgens, unter der Woche nicht ganz so lang. 
Gestern waren wir auf dem Nachtmarkt von unserem Stadtteil und es war echt cool! 
Es sind ganz viele Leute dort und man kann ALLES kaufen. Es gibt Kleidung, Schuhe, Schmuck, Handytaschen (darauf fahren die hier total ab, am besten sehr kitschig, mit Hello Kitty oder komischen Figuren), Handtaschen, Uhren und Wecker, Parfüm und Schminke und natürlich Essen und Süßigkeiten. Überall haben die Leute ihre kleinen Stände und fahrenden Läden. Man kann einfach nur gucken oder etwas kaufen und dann gibt es auch kleine Automaten an jeder Ecke, für die Kinder zum Spielen. Das ist echt ein buntes Treiben und ich könnte mich einfach da hinsetzten und nur den Menschen zugucken. Es ist ziemlich laut, weil sich alle unterhalten und viele Menschen da sind und manchmal wird Musik gespielt oder die Verkäufer schreien, um Kunden anzulocken. 
Nachtmarkt
Ich habe mich an diesem Abend durch drei verschiedene "Gerichte" gegessen. Einmal so etwas wie Bratwurst, aber in Reis gehüllt, dann Tintenfisch mit süß-saurer Soße und noch einmal irgendein Fisch, in einer Kugel aus Teig - alles war sehr lecker! 
Die Menschen hier sind alle total nett und aufgeschlossen. So habe ich zum Beispiel ein Foto mit einem   Verkäufer machen dürfen und alle fragen, ob ich hier im Urlaub bin und sie sind alle sehr interessiert. Das ist ziemlich normal, dass man sich mit fremden Menschen unterhält und sie einfach anspricht. Gestern habe ich einem Verkäufer auf taiwanesisch (!) gesagt, dass das Essen sehr gut schmeckt und er fing sofort an mit meiner Gastfamilie zu sprechen und hat gefragt wo ich her komme und so weiter.  Also Small-talk auf der Straße oder wo auch immer, ist hier sehr üblich. 
Der Nachtmarkt ist auch ein sehr beliebter Treffpunkt. Man geht hier mit seinen Freunden hin und trifft sich, anstatt zum Beispiel in Bars oder Clubs. 
Ich vor einem Stand mit Essen

Nachtmarkt (vorne mein Gastbruder und meine Gastmama)



Kugeln aus Teig, gefüllt mit Fisch und Gemüse

Obststand

Bratwurst in Reis eingehüllt
Obwohl es den Nachtmarkt gibt, haben alle anderen Geschäfte auch noch geöffnet. Die meisten Läden haben lange nach 22 Uhr geöffnet (nicht nur die Supermärkte, sondern auch kleine Familiengeschäfte) und vor allem auch sonntags! Als ich erzählt hab, dass viele Geschäfte sonntags bei uns geschlossen sind, war mein Gastbruder total von den Socken. Das ist sehr anders hier, man ist lange draußen auf der Straße und geht einkaufen oder arbeiten. 


video

Montag, 20. August 2012

Die ersten Tage im neuen Zuhause

Der Abflug & die Ankunft

Vor vier Tagen habe ich mich auf den Weg in meine unbekannte neue Heimat gemacht - nach Taipeh. In die Hauptstadt der Insel Taiwan! Die Woche vor dem Abflug war sehr nervenaufreibend. Viele Verabschiedungen, Tränen und auch viel Stress beim Packen und Aufräumen. Ich konnte vor Aufregung kaum noch schlafen. Ich hatte keine Ahnung was mich dort konkret erwartet. Ich hatte zwar  Kontakt zu meiner Gastfamilie, die von Anfang an sehr nett zu mir war, aber eine genaue Vorstellung von der Stadt oder dem Land hatte ich nicht. Ich ahnte nur, dass alles ziemlich anders werden würde.
DER HIMMEL ÜBER DEUTSCHLAND BEIM ABLUG
Am 18. August um 6:00 Uhr morgens ging schließlich mein Flieger von Dresden, erst einmal nach Frankfurt. Der Abschied fiel zwar schwer aber in dem Moment überwog irgendwie einfach die Freude.
In Frankfurt habe ich dann ganz viele andere Austauschschüler getroffen, die mit mir weiter nach Taipeh geflogen sind. Der Flug dauerte 13 Stunden, also ziemlich lang. Aber das Essen war lecker, wir hatten jeder einen eigenen Fernseher und Musik zum hören.
Und an alle Skeptiker: JA, man kann auch mit "China Airlines" heil ans Ziel kommen!
Da wir ungefähr 35 Austauschschüler waren, standen auch so viele Gastfamilien am Flughafen. Man kam sich vor wie ein Star, weil als man in den Arrival Bereich raustrat, fingen alle an zu klatschen und zu jubeln. Ich musste dann unter den ganzen Namensschildern erst mal meins finden und meine Gastfamilie. Ich wurde gleich ganz herzlich von allen empfangen und dann wurden erst mal Fotos geschossen.
Danach haben wir noch meine Gastschwester zum Check-in und zum Gate begleitet, weil sie flog nur 2 Stunden nach meiner Ankunft in die USA um dort zu studieren, also ich lerne sie nicht richtig kennen wahrscheinlich.
Danach sind wir nach Hause gefahren.

BEGRÜßUNG AM FLUGHAFEN


Mein Zuhause

Ich wohne in Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan und der Stadtteil nennt sich Yonghe.
TAIPEI 101 VON WEITEM 
Meine Familie hat hier eine Wohnung (in Taipeh gibt es sowieso nur Wohnungen, für Häuser ist es viel zu eng hat man mir erklärt). Die Wohnung ist relativ groß, zumindest was die Küche und das Wohnzimmer und den Essensbereich betrifft. Die Zimmer und das Bad hingegen sind etwas kleiner. Ich wohne in dem Zimmer mein Gastschwester, weil sie ja nicht da ist. Hier ist alles mit Hello Kitty und anderen Kuscheltieren und kleinen Figuren in weiß-rosa ausgestattet! Aber ich fühle mich wohl! Ich lebe hier zusammen mit meinen Gasteltern, meinem Gastopa (den habe ich aber noch nicht kennengelernt weil der ist zur Zeit in Japan im Urlaub) und meinen beiden Gastbrüdern. Der eine ist 16 Jahre alt und der andere 18. Daniel, der jüngere, war letztes Jahr zum Austausch in Deutschland und kann deshalb gut deutsch. Ansonsten spreche ich mit meiner Familie englisch. Aber ich lerne schon fleißig viel Taiwanesisch, denn mein Gastvater und mein Opa sprechen kein englisch. Meine Familie ist buddhistisch, was ich auch ziemlich interessant finde. In der Wohnung gibt es auch eine Art Altar mit Lichtern und Kerzen und Bildern. Nächsten Monat findet irgendeine besondere Zeremonie statt und da werden wir in den Tempel gehen.
FAMILIEN ESSEN
Das Wetter hier ist ziemlich warm aber vor allem feucht. Zur Zeit sind hier so um die 33 Grad (also weniger als bei euch) aber die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, deswegen kommt mir das viel Wärmer vor. Das ist auch ein bisschen anstrengend. Mein Vorteil ist, dass die Menschen das gewöhnt sind und so gibt es Klimaanlagen und Ventilatoren! Deswegen lässt es sich auch einigermaßen schlafen obwohl es sich in der Nacht kaum abkühlt.


TAIWANESISCHER VERKEHRSMOMENT

Alles ist anders

Vom äußeren her ist erst einmal alles so, wie man es aus Filmen oder von Bildern kennt. Der Verkehr ist ziemlich chaotisch, es fahren alle Roller, überall gibt es gelbe Taxis, alles ist sehr eng und hoch gebaut, auf den Straßen gibt es kleine Stände und Läden und überall gibt es knallbunte Schilder und Leuchttafeln mit chinesischen Zeichen. Auch wenn man das irgendwie schon kannte oder erwartet hat, ist es doch ganz anders schließlich hier zu sein. Es gibt viele kleine Unterschiede im Haushalt (zum Beispiel wechselt man in jedem Raum die Schuhe, bzw. muss sie ausziehen. Man ist aber nie barfuß, außer in seinem eigenen Zimmer). 
Der nächste und wohl vorerst größte Unterschied ist natürlich das Essen. Als ich am ersten Tag ankam und wir frühstücken waren, dachte ich "Oh je, ich werde verhungern!". Aber man gewöhnt sich schnell daran und es gibt viel außergewöhnliches. Zum Beispiel Muscheln, Krabben, Sojasuppe mit Blätterteig, Peanutmilch und viele exotische Früchte deren Namen ich nicht kenne! Inzwischen schmeckt mir alles recht gut und das mit den Stäbchen geht auch immer besser! Am Anfang haben sich alle lustig gemacht, weil es nicht geklappt hat, aber inzwischen kann ich damit essen!
ICH IM WULAOKENG VISITORS CENTER 
WULAOKENG VISITORS CENTER (EIN PARK)



TEEKANNE AUS HOLZ 

WULAOKENG VISITORS CENTER